nachtlichter
  Melancholie
 

Frühlingsgedicht

Sturm zerfetzt den Himmel
stiehlt junge Blätter
von verbogenen Bäumen.
Ein letzter Tanz
im wirbelnden Sinkflug.
Tiefdunkle Wolken
ertränken das Land.
Unaufhaltsam

steigen die Fluten.
Ich lasse mich tragen
vom schwarzen Strom
und tauche unter

 

[rv, Ostern 2009]




M. Pathie


Es tut weh
das langsame Sterben
einer Seele
mitzufühlen

Unaufhaltsam
nähert sich das Ende –
ersehnt und gefürchtet
Die Qual verstümmelt Gedanken
Alptraumblitze zucken
Folter
für die Todmüden,
ihre schmerzenden Körper
und unruhigen Geister

Mögen ihre Seelen
Frieden finden

Für immer.



[Regina Versen 25. August 2007]



Freund Hein

Dein Wille, nicht aufzugeben ist so viel stärker

als der kleine Hauch Leben, der noch in dir ist.

Ein langer, viel zu dürrer Kerl,

55 Jahre alt.

Haut und Knochen überall

keine Knautschzone schützt dich mehr

Ein fahles Gesicht mit eingefallenen Wangen

unter lebendigen Augen.

Du  spottest nach wie vor

über das bürokratische Gehabe der kranken Kassen

die einen Todgeweihten in die Reha schicken wollen,

um ihn so schnell wie möglich ins Arbeitsleben zu integrieren -

vielleicht als klapperndes Skelett in den Biologieunterricht?

Dein unaufhaltsamer Verfall

der jetzt so offensichtlich ist

trifft mich tief.

Ein dicker Kloß, der meinen Hals verstopft,

macht es mir so unsagbar schwer,

unbefangen mit dir zu reden und

über deinen Zynismus zu lachen.

Du wirkst fast so,

als ob du dich für deinen Anblick entschuldigen möchtest.

Ich werde dir morgen mein herzliches Lächeln mit auf den Weg geben

und dir im Stillen einen behutsamen, sanften Abschied wünschen -

falls du morgen noch da bist.

 

[rv, Februar 2007]

 

Erloschen




Erstarrte Lava
Versteinerte Züge
Kaltes Grau
Zerklüftet, vernarbt die Oberfläche
Selbst der Wind fürchtet ihre Klauen

Ausgebrannt -
glutleere Adern führen ins hohle Dunkle.
Nur Wasser noch
vermag den Vulkan zu beleben,
sein Krater füllt sich mit Tränen.

 

12. Sept. 2006