Nachts um halb drei
werfen meine Ängste und Sorgen die längsten Schatten,
ihre Dunkelheit und Kälte lassen mich erschauern,
rauben mir den Schlaf
Frostige Fingersilhouetten
schreiben Horrorszenarien in mein Bewusstsein,
weben authentische Hirngespinste,
die mich in meinen Träumen fesseln und knebeln
Schlaf macht wehrlos,
darum spiele ich hellwach die Opferrolle
des drittklassigen Thrillers, der in meinem Kopfkino läuft
Unbekümmert will ich sein wie ein kleines Kind,
das sich gut aufgehoben fühlt und unbefangen einschläft
in der Gewissheit, dass alles in Ordnung ist
Geborgenheit, hülle mich ein, halte mich warm!
Und wenn nie wieder alles gut wird
ändert es auch nichts,
Angst und Schrecken vorwegzunehmen
Wenn ich mich den Schatten stelle,
sie beleuchte, werden sie klein,
dann relativieren sie sich,
so wie morgen früh, wenn ich in der Sonne Fahrrad fahre.
Meine Muskeln entspannen sich nach und nach
der Atem wird ruhiger
im Kopfkino flackert warmes Kerzenlicht
Ich vertraue dir meine Seele an
verkauf sie nicht, Schlaf.
Zündfunke
Es geht mir gut
ich habe Arbeit
und eine schöne Wohnung
einen klugen Sohn
und einen lieben Hund
Mein Leben ist geregelt, wie es sich gehört
Und doch tickt in mir eine Zeitbombe,
verschafft sich immer deutlicher Gehör:
Unaufhaltsam zerrinnt meine Lebenszeit
ich habe immer öfter Geburtstag
und ständig ist Weihnachten
Der graue Alltag staubt mich zu
bis ich ersticke
Müde ist es, dieses Leben
Überdruss lähmt mich
Vernunft und Disziplin passen auf mich auf
und bringen mich gleichzeitig um.
Ich will das Leben wieder spüren
und mich nicht mehr aus Angst vor Schmerz
in einem Kokon verstecken
Leben, lass mich wieder mitspielen,
fordere mich heraus,
gib mir den Impuls,
ziehe den Zünder!
Tiefe Sehnsucht klingt aus ihrem Rufen
ich halte inne, um zum Himmel hoch zu seh'n.
Gedankenverloren setz ich mich auf graue Stufen
und lasse meine Gefühle frei, gen Süden weh'n.
Ein Wind kommt auf, lässt bunte Blätter fliegen
obwohl ich zittere, wird es mir ganz warm.
Ich träum' davon, mich in Geborgenheit zu wiegen
in meiner Phantasie nimmst du mich in den Arm.
Die Eins am Horizont zieht bedächtig weiter.
Die Sonne ist weg, Melancholie breitet sich aus.
Meine unerfüllten Wünsche sind ihre Begleiter.
Mir ist kalt. Allein gehe ich zurück ins Haus.